Feedback von der KI oder von einem Menschen? Eine Studie zu unseren Reaktionen auf Lob und Kritik

Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studie.

Ob im Job, in der Schule oder beim Sport: Feedback zur eigenen Leistung begleitet uns ständig und kann wichtige Entscheidungen beeinflussen, etwa die Wahl des eigenen Karrierewegs. Doch macht es eigentlich einen Unterschied, ob dieses Feedback von einem Menschen kommt oder von einer KI? Reagieren wir auf Lob und Kritik anders, je nachdem, wer es uns gibt? Dieser Frage geht Rika Stoczek (Leibniz Universität Hannover) in einer Online-Studie nach.

Wie die Studie aufgebaut ist

Die Teilnehmenden bearbeiten zunächst einen Test zur kognitiven Leistungsfähigkeit und schätzen nach dem Test ein, wie gut sie im Vergleich zu anderen abgeschnitten haben. Anschließend erhalten sie zweimal Feedback dazu, wie ihre tatsächliche Leistung im Vergleich zu anderen Teilnehmenden ausfällt. Nach jedem Feedback wird erfasst, wie sich die Selbsteinschätzung der Teilnehmenden verändert.

Der entscheidende Kniff: Ein Teil der Teilnehmenden erfährt, dass ihr Feedback von einer anderen Person ausgewählt wurde, der andere Teil, dass eine KI die Auswahl getroffen hat. In beiden Fällen wird aus zwei vorformulierten Texten mit derselben Grundaussage (positiv oder negativ) einer ausgewählt. Inhaltlich unterscheidet sich das Feedback in den beiden Gruppen also nicht, sondern nur darin, wer es ausgewählt hat.

Warum diese Frage gerade jetzt relevant ist

KI-Systeme geben heute in immer mehr Lebensbereichen Feedback zur eigenen Leistung, etwa beim Lernen oder auf der Arbeit. Solches Feedback kann beeinflussen, wie Menschen ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen, und diese Selbsteinschätzung wiederum, welche Herausforderungen sie sich zutrauen und welche Entscheidungen sie treffen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, ob Menschen Feedback einer KI anders gewichten als vergleichbares Feedback von anderen Menschen.

Was wir herausgefunden haben

Die Ergebnisse zeigen, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, von wem das Feedback kommt. Positives Feedback beeinflusst die Selbsteinschätzung stärker, wenn es von einer KI stammt, während wir bei negativem Feedback keinen Unterschied zwischen KI und Mensch finden. Kommt das Feedback von einer KI, beziehen die Teilnehmenden positives Feedback zudem stärker in ihre Selbsteinschätzung ein als negatives. Da KI-Systeme häufig besonders positives und zustimmendes Feedback geben, könnte dies langfristig dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Fähigkeiten zu optimistisch einschätzen.

Kommunalwahl 2026: Was den Niedersachsen vor Ort wirklich wichtig ist

Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studie.

Bezahlbares Wohnen, gute Infrastruktur, ein funktionierender Nahverkehr: Viele der Themen, die den Alltag am meisten prägen, werden nicht in Berlin oder Hannover entschieden, sondern direkt vor Ort. Wie blicken die Menschen in Niedersachsen auf die anstehende Kommunalwahl 2026, und trauen sie ihrer eigenen Stimme überhaupt etwas zu? Das Niedersachsenpanel ist dieser Frage in einer aktuellen Studie nachgegangen.

Worum es in der Studie geht

Ende August 2026 wurden dafür 1.074 Menschen aus ganz Niedersachsen im Rahmen des Niedersachsenpanels befragt, rund zwei Wochen vor der Kommunalwahl. Der Fragebogen deckt dabei mehrere Bereiche ab: die wichtigsten Themen und Herausforderungen vor Ort, die Zufriedenheit mit dem eigenen Wohnort und wahrgenommene Ungleichheiten in der Region sowie Wissen und Einschätzungen rund um das Kommunalwahlsystem und die kommunalen Finanzen.

Sorgen ums Geld, Vertrauen in die eigene Stimme

Wirtschaft und Arbeit, Wohnen und Stadtentwicklung, Infrastruktur und Mobilität sowie Bildung stehen für die Befragten ganz oben auf der kommunalen Agenda. Besonders drängend ist aus ihrer Sicht das Thema Wohnen: 61,5 Prozent halten bezahlbaren Wohnraum für eine eher große oder sehr große Herausforderung, in Städten noch deutlicher als auf dem Land. Insgesamt zeigen sich klare Unterschiede zwischen Stadt und Land: In Städten sind etwa 72,0 Prozent mit dem ÖPNV zufrieden, in ländlichen Wohnorten nur 27,5 Prozent. Umgekehrt schneiden Kinderbetreuung und Pflege auf dem Land in der Zufriedenheit besser ab als in der Stadt.

Sorgen bereitet den Befragten auch die finanzielle Lage der Kommunen: Zwei von drei sehen darin eine große Herausforderung, unabhängig vom Wohnort. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Menschen der Kommunalpolitik durchaus etwas zutrauen. 71,9 Prozent sind überzeugt, dass ihre Stimme bei der Kommunalwahl tatsächlich etwas bewirkt, deutlich mehr, als sie das der Landespolitik in kommunalen Fragen zutrauen. Bei Transparenz und Bürgerbeteiligung sehen die Befragten dagegen noch deutlichen Nachholbedarf: Nur etwa ein Viertel fühlt sich ausreichend darüber informiert, wofür die eigene Gemeinde ihr Geld ausgibt.

Ein weiterer Befund: Für mehr als die Hälfte der Befragten zählt bei der Kommunalwahl die Person stärker als die Partei, besonders ausgeprägt ist das auf dem Land.

Warum das für Kommunen, Parteien und Kandidierende zählt

„Viele der Themen, die die Menschen vor Ort besonders beschäftigen, werden auf kommunaler Ebene maßgeblich mitgestaltet. Kommunalpolitik ist deshalb keineswegs weniger relevant als Bundes- oder Landespolitik“, ordnet Prof. Dr. Mario Mechtel, Leiter des Niedersachsenpanels, die Ergebnisse ein. Dr. Janina Kraus, Projektkoordinatorin, ergänzt, dass die Bürgerinnen und Bürger den Kommunen grundsätzlich zutrauen, etwas zu bewegen, gleichzeitig aber klare Erwartungen an Transparenz und Beteiligung stellen.

Für Parteien und Kandidierende bedeutet das: Wer vor Ort überzeugen will, muss offenbar stärker mit der eigenen Person, konkreten Lösungen und der Kenntnis lokaler Probleme punkten als auf anderen politischen Ebenen.

Universitäten im öffentlichen Blick: Wahrnehmungen, Erwartungen und Einstellungen in Niedersachsen

Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studie.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen politische Entscheidungen zunehmend leiten, gleichzeitig verbreiten sich Falschinformationen und KI-generierte Pseudostudien immer schneller. Universitäten sollen exzellente Forschung liefern, aber auch beim Fachkräftenachwuchs, bei Innovationen und beim gesellschaftlichen Wandel helfen. Und während öffentliche Gelder knapper werden, stehen Hochschulmittel in Konkurrenz zu anderen wichtigen Aufgaben. Wie blickt die Bevölkerung eigentlich auf diese teils widersprüchlichen Herausforderungen? Das Niedersachsenpanel ist dieser Frage in einer Studie von Dr. Janina Kraus, Prof. Dr. Gerald Eisenkopf und Prof. Dr. Mario Mechtel nachgegangen.

Drei Spannungsfelder im Blick

Die Studie untersucht drei zentrale Fragenkomplexe. Erstens: Wie viel Vertrauen genießen Wissenschaft, Hochschulen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, und wie schneidet wissenschaftliche Evidenz im Vergleich zu Stimmen von Betroffenen oder Interessenverbänden ab? Zweitens: Was erwarten die Menschen von Universitäten, etwa bei Forschung, Lehre und ihrer Rolle für die Region, und wer sollte über zentrale Hochschulfragen mitentscheiden? Drittens: Wie sollen öffentliche Mittel für Hochschulen verteilt werden, gerade wenn sie mit anderen wichtigen Aufgaben wie frühkindlicher Bildung oder Gesundheit konkurrieren?

Grundlage ist eine Befragung von 1.748 Personen im Rahmen des Niedersachsenpanels. Die Konzentration auf Niedersachsen ist kein Zufall: Für die Organisation und Finanzierung von Hochschulen sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Als großes, vielfältiges Flächenland erlaubt Niedersachsen zudem den Vergleich zwischen Hochschulstädten, ihrem Umland und eher ländlichen Regionen.

Hohes Vertrauen, aber auch klare Kritikpunkte

Das Vertrauen in die Wissenschaft ist insgesamt hoch: 77,3 Prozent der Befragten vertrauen ihr voll und ganz oder eher. Auch die Qualität des deutschen Hochschulstudiums wird im europäischen Vergleich sehr positiv bewertet, dem stimmen 89,0 Prozent zu.

Die Rolle von Universitäten für ihren Standort wird über weite Teile der Gesellschaft hinweg als positiv wahrgenommen. Sorgen über steigende Lebenshaltungskosten durch Hochschulen werden von den Befragten überwiegend nicht geteilt, und auch mögliche Nachteile für ländliche Räume sehen nur wenige (18,1 Prozent). Deutlich anders sieht es beim Wohnungsmarkt aus: 71,9 Prozent stimmen zu, dass Hochschulstädte durch den hohen Anteil an Studierenden Schwierigkeiten haben, ausreichend Wohnraum für die ansässige Bevölkerung bereitzustellen. Die Vorstellung, Hochschulpolitik gezielt als Instrument regionaler Strukturpolitik einzusetzen, teilt dagegen nur gut die Hälfte der Befragten (53,9 Prozent).

Warum das für Wissenschaft und Politik relevant ist

Die Ergebnisse zeigen: Das grundsätzliche Vertrauen in Wissenschaft und Hochschulen ist eine wichtige Ressource, aber keine Selbstverständlichkeit. Gerade weil evidenzbasierte politische Entscheidungen auf dieses Vertrauen angewiesen sind, lohnt sich der genaue Blick darauf, wo es besonders stabil ist und wo konkrete Kritik ansetzt, etwa beim Wohnungsmarkt in Hochschulstädten. Für Hochschulpolitik und -kommunikation liefert die Studie damit wichtige Anhaltspunkte, wie sich Erwartungen, Nutzen und Belastungen von Universitäten für die Region in Einklang bringen lassen.

CO2-Preise und sozialer Ausgleich: Wie reagieren Menschen auf unterschiedliche klimapolitische Maßnahmen?

Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studien.

Viele Regierungen setzen bei der Klimapolitik auf einen einfachen ökonomischen Mechanismus: Der Ausstoß von CO2 soll teurer werden. Höhere CO2-Preise verteuern damit auch den Verbrauch fossiler Energieträger, beispielsweise Benzin oder Diesel. Aus ökonomischer Sicht entsteht dadurch ein Anreiz, den Verbrauch zu reduzieren oder auf andere Möglichkeiten auszuweichen. Gleichzeitig können höhere CO2-Preise Haushalte sehr unterschiedlich belasten. Wie stark ein Haushalt betroffen ist, hängt beispielsweise vom Einkommen, vom Wohnort, von den vorhandenen Verkehrsalternativen oder davon ab, wie stark er auf das Auto angewiesen ist.

Damit stellt sich für die Politik neben der klimapolitischen Lenkungswirkung auch eine Verteilungsfrage: Wie lassen sich Haushalte entlasten, ohne die mit dem CO2-Preis verbundenen Anreize vollständig aufzuheben? Eine häufig diskutierte Möglichkeit besteht darin, Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zumindest teilweise an die Bevölkerung zurückzugeben. Dies kann beispielsweise über eine pauschale Zahlung – häufig als „Klimageld“ bezeichnet – oder über andere Formen der steuerlichen Entlastung geschehen.

Wie reagieren Menschen auf solche Politikmaßnahmen?

Ein Forschungsprojekt von Nissen Gleuwitz und Prof. Dr. Mario Mechtel von der Leuphana Universität Lüneburg untersucht mit mehreren experimentellen Studien, wie Menschen solche klimapolitischen Maßnahmen wahrnehmen und darauf reagieren.

Im Mittelpunkt stehen dabei drei Fragen: Verstehen Menschen die wirtschaftlichen Anreize, die durch eine höhere CO2-Bepreisung entstehen? Verändert sich ihre Einschätzung dieser Anreize, wenn gleichzeitig eine finanzielle Entlastung vorgesehen ist? Und wie würden Haushalte zusätzliche Belastungen beziehungsweise staatliche Transferzahlungen auf unterschiedliche Bereiche ihres Haushaltsbudgets verteilen?

Die Studien kombinieren dafür unterschiedliche experimentelle Ansätze innerhalb des Niedersachsenpanels. Die Teilnehmenden treffen Entscheidungen in hypothetischen Alltagssituationen und geben an, wie sie ihre Ausgaben unter verschiedenen politischen Rahmenbedingungen anpassen würden. Teilweise werden die Szenarien dabei an die persönliche Situation der Befragten angepasst, beispielsweise anhand ihrer bisherigen Pkw-Nutzung.

Warum ist das für die Klimapolitik relevant?

Für die Wirksamkeit einer CO2-Bepreisung ist nicht nur entscheidend, wie hoch der Preis ist. Ebenso wichtig ist, wie Menschen eine solche Politik verstehen und welche Entscheidungen sie daraus ableiten. Maßnahmen zum sozialen Ausgleich können dabei helfen, Belastungen abzufedern und die gesellschaftliche Akzeptanz höherer CO2-Preise zu erhöhen. Gleichzeitig ist für die Ausgestaltung solcher Maßnahmen wichtig zu wissen, wie Haushalte auf die Kombination aus höheren Preisen und finanzieller Entlastung tatsächlich reagieren. Das Forschungsprojekt untersucht daher, wie sich klimapolitische Lenkungswirkung und sozialer Ausgleich miteinander verbinden lassen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, besser zu verstehen, wie CO2-Bepreisung und begleitende Entlastungsmaßnahmen gestaltet und kommuniziert werden können.

Da derzeit noch weitere Studien in diesem Forschungsprojekt durchgeführt werden, veröffentlichen wir an dieser Stelle noch keine Ergebnisse oder detaillierten Informationen zu einzelnen experimentellen Bedingungen. Nach Abschluss der laufenden Datenerhebung werden wir über die Ergebnisse berichten.

Der asymmetrische Effekt von Faktenchecks auf affektive Polarisierung: Erkenntnisse aus einem Umfrageexperiment

Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studien.

Faktenchecks sollen gegen Falschinformationen helfen. Aber was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten dieselben Fakten lesen? Rückt sie das näher zusammen, oder driften die Lager eher weiter auseinander? Genau das hat Greta Kyriakidou-Schoolman (TU Clausthal) in einem Experiment mit Teilnehmenden des Niedersachsenpanels untersucht.

Wie testet man, ob Faktenchecks wirken?

Die Grundannahme: Wenn falsche Aussagen der AfD richtiggestellt werden, könnte das gerade bei Anhängerinnen und Anhängern anderer Parteien wie ein Angriff auf die eigenen Werte wirken, was Lager eher noch stärker gegeneinander aufbringt, statt sie einander anzunähern.

Für die Studie wurden Teilnehmende zunächst nach ihrer Wahlabsicht bei einer Bundestagswahl gefragt und danach in drei Gruppen eingeteilt. Zwei Gruppen bekamen drei Aussagen von Alice Weidel aus dem Sommerinterview zur Bundestagswahl 2025 gezeigt, entweder unkommentiert oder mit einem Faktencheck versehen. Eine dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe. Danach wurde erfasst, wie die Teilnehmenden zu anderen Parteien und deren Wählerschaft stehen.

Was zeigt sich?

Die Ergebnisse sind widersprüchlicher als erhofft. Faktenchecks führen dazu, dass AfD-Wählerinnen und -Wähler ihre eigene Wählergruppe negativer bewerten, obwohl sie dem Faktencheck am wenigsten vertrauen. Bei anderen Wählergruppen, insbesondere SPD-, FDP- und Linke-Wähler*innen, stärken sie aber eher die eigene politische Zugehörigkeit.

Auffällig ist auch: Die politische Spaltung in Deutschland verläuft der Studie zufolge weniger zwischen klassischen Lagern, sondern vor allem entlang der Linie AfD gegenüber allen anderen Parteien. Wähler und Wählerinnen aus der Mitte und dem linken Spektrum bewerteten AfD-Anhängerinnen und -Anhänger bereits vor dem Faktencheck am schlechtesten.

Warum das mehr als eine akademische Randnotiz ist Faktenchecks sind offenbar kein Wundermittel. Sie können zwar korrigieren, aber eben auch bestehende Gräben zwischen politischen Lagern vertiefen, statt sie zu schließen. Das ist ein wichtiger Hinweis für Medien und alle, die politische Bildung gestalten: Wie ein Faktencheck aufgebaut ist, kann darüber entscheiden, ob er verbindet oder zusätzlich spaltet.

Autorin: Greta Kyriakidou-Schoolman (Technische Universität Clausthal)

Gesellschaftlicher Wandel, Säkularisierung und die Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen

Gesellschaftlicher Wandel und die Kirche: Was denken die Menschen in Niedersachsen?

Kirchen stehen unter Druck. Mitgliederzahlen sinken, gesellschaftliche Erwartungen wandeln sich, und gleichzeitig bleiben sie für viele Menschen ein wichtiger Anbieter sozialer Dienstleistungen. Doch wie nehmen die Menschen eigentlich wahr, was die katholische Kirche leistet, und was erwarten sie von ihr? Genau das untersucht ein Forschungsprojekt der Universität Vechta.

Was wird erforscht?

Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie die Aktivitäten der katholischen Kirche in der Gesellschaft und unter ihren eigenen Mitgliedern wahrgenommen werden. Dahinter steckt ein klassisches Problem gemeinnütziger Organisationen: Wenn sich die Gesellschaft verändert, müssen auch Ziele und Arbeitsabläufe neu aufeinander abgestimmt werden. Das ist leichter gesagt als getan, gerade wenn eine Organisation so groß und vielfältig ist wie die Kirche.

Das Projekt wird geleitet von Prof. Dr. Gerald Eisenkopf vom Fachbereich Management Sozialer Dienstleistungen der Universität Vechta und wird unterstützt durch das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta. Für die Befragung konnte das Niedersachsenpanel einen repräsentativen Pool an Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereitstellen. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und in Kürze veröffentlicht.

Ein besonderes Detail: Spenden inklusive

Im Rahmen der Studie hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, einen Teil ihrer Vergütung direkt an gemeinnützige Organisationen zu spenden, konkret an Caritas, Diakonie und das Rote Kreuz. Die entsprechenden Spendenbelege sind inzwischen eingegangen und können hier eingesehen werden:

Autoren: Gerald Eisenkopf (Universität Vechta), Alexia Hinnah (Universität Vechta)

Einstellungen und Präferenzen der niedersächsischen Bevölkerung: Eine erste Untersuchung mit dem Niedersachsenpanel

Was denken die Menschen in Niedersachsen über Demokratie, Klimawandel und Künstliche Intelligenz?

Gesellschaftlicher Wandel ist allgegenwärtig: Künstliche Intelligenz verändert den Alltag, der Klimawandel stellt Politik und Wirtschaft vor große Fragen, und Debatten über Migration und gesellschaftlichen Zusammenhalt prägen den öffentlichen Diskurs. Doch wie nehmen die Menschen in Niedersachsen diese Veränderungen eigentlich wahr? Was bereitet ihnen Sorgen, was stimmt sie zuversichtlich? Genau das hat das Niedersachsenpanel in seiner Eingangsbefragung untersucht.

An der Befragung nahmen 4.388 Personen aus allen Regionen Niedersachsens teil. Die Ergebnisse liefern eine erste, repräsentative Momentaufnahme der Einstellungen und Präferenzen der niedersächsischen Bevölkerung zu drei zentralen Transformationsthemen: politische Einstellungen, Künstliche Intelligenz sowie Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit.

Was kam heraus?

Mit Blick auf die Demokratie zeigt sich ein überwiegend positives Bild: 69,6% der Befragten gaben an, mit der Demokratie in Deutschland zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede. Unter den 18- bis 34-Jährigen lag der Zufriedenheitsanteil mit 57,2% spürbar niedriger als bei den über 54-Jährigen (77,9%). Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede entlang der politischen Selbstverortung: Nur 33,3% der Nicht-Wählerinnen und Nicht-Wähler zeigten sich zufrieden, während (eher) rechts orientierte Befragte ebenfalls deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt lagen.

Beim Thema Klimawandel leugnen 14,8% der Befragten dessen Existenz. Diese Skepsis ist nicht gleichmäßig verteilt: Der Anteil der Frauen (18,6%), die den Klimawandel leugnen, liegt deutlich höher als der bei Männern (11,2%). Von denjenigen, die den Klimawandel anerkennen, führen ihn 82,0% überwiegend auf menschliche Aktivitäten zurück. Eine große Mehrheit (83,4%) befürwortet außerdem eine klimaneutrale Wirtschaft. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft stößt mit 95,2% Zustimmung auf breite gesellschaftliche Akzeptanz.

Auch beim Thema Künstliche Intelligenz zeigen sich interessante Muster. 43,6% der Befragten nutzen KI regelmäßig für Alltagsaufgaben, wobei der Altersunterschied auffällt: Unter den 18- bis 34-Jährigen sind es 61,2%, bei den über 54-Jährigen nur 31,5%. Gleichzeitig schreibt eine große Mehrheit (67,5%) der KI einen gesellschaftlichen Nutzen zu. Dennoch empfinden 42,6% der Befragten Künstliche Intelligenz als unheimlich, wobei Frauen (50,2%) dies deutlich häufiger angaben als Männer (35,7%).

Warum ist das wichtig?

Die Eingangsbefragung ist der Startpunkt des Niedersachsenpanels. Sie bildet die Grundlage für alle zukünftigen Studien und macht es möglich, Veränderungen über die Zeit zu beobachten. Die Ergebnisse geben wichtige Hinweise darauf, wie politische Maßnahmen wahrgenommen werden und wo gesellschaftliche Bruchlinien verlaufen.

Der vollständige Fragebogen ist hier einsehbar.

Autoren: Janina Kraus (Leuphana Universität Lüneburg), Lena Calahorrano (Fraunhofer FIT), Gerald Eisenkopf (Universität Vechta), Ulf Hahnel (Leuphana Universität Lüneburg), Robert Gillenkirch (Universität Osnabrück), Luise Görges (Leuphana Universität Lüneburg), Ann-Kathrin Kössler (Leibniz Universität Hannover), Johannes Lohse (Leuphana Universität Lüneburg), Roland Menges (TU Clausthal), Vanessa Mertins (Universität Vechta), Fabian Paetzel (TU Clausthal), Holger Rau (Georg-August Universität Göttingen), Jan Sauermann (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Anne Schacht (Georg-August Universität Göttingen), Heike Schenk-Matthes (TU Clausthal), Marina Schröder (Leibniz Universität Hannover), Sven Stöwhase (Fraunhofer FIT) und Mario Mechtel (Leuphana Universität Lüneburg)

Gesundheit und Bewegung am Arbeitsplatz der Zukunft

Was motiviert Arbeitskräfte zu bewegten Pausen im Arbeitsalltag?

In unserer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt wird immer deutlicher: Bewegung und Gesundheit am Arbeitsplatz sind entscheidend – für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und den Erfolg der Unternehmen. Doch was motiviert eigentlich zukünftige Arbeitskräfte, regelmäßig Pausen einzulegen, in denen sie sich bewegen? Und was hält sie möglicherweise davon ab?

Diese Studie hat genau das untersucht – und zwar anhand von jungen und älteren Beschäftigten. Ziel war es, zu verstehen, welche Faktoren ihre Entscheidung beeinflussen, sogenannte „bewegte Pausen“ in den Arbeitsalltag zu integrieren. Dabei standen Fragen im Mittelpunkt wie: Wie sehr beeinflussen die Einstellung der Vorgesetzten, das Verhalten der Kollegen oder die Unternehmenskultur ihre Motivation? Und welche Unterschiede gibt es zwischen den Generationen?

Das Ergebnis ist aufschlussreich: Bei jungen Arbeitskräften spielt die Meinung der Vorgesetzten eine entscheidende Rolle. Wenn Chefs bewegte Pausen unterstützen, steigt die Bereitschaft, diese auch tatsächlich umzusetzen. Auch das Verhalten der Kollegen sowie flexible Arbeitszeiten tragen dazu bei, dass Bewegung Teil des Alltags wird. Die Arbeitgeberphilisophie – also die generelle Haltung des Unternehmens zur Gesundheitsförderung – scheint hingegen weniger entscheidend.

Ältere Beschäftigte zeigen generell schon von Natur aus eine stärkere Bereitschaft, sich zu bewegen, doch auch hier sind positive Einstellungen der Führungsebene und eine unterstützende Unternehmenskultur hilfreich. Überraschend ist, dass Unterschiede zwischen den Generationen sichtbar sind: Während ältere Mitarbeitende eher aus eigenem Antrieb handeln, sind die jüngeren stärker auf die sozialen und organisatorischen Rahmenbedingungen angewiesen.

Diese Erkenntnisse geben wichtige Impulse für die Gestaltung gesunder und motivierender Arbeitsplätze der Zukunft. Denn nur, wenn Unternehmen das richtige Umfeld schaffen, lassen sich Bewegung und Gesundheit dauerhaft im Arbeitsalltag etablieren.

Autor: Lukas Noeßelt (Technische Universität Clausthal)

Spenden – am liebsten lokal?

Graphical Abstract of study about spatial differentiation and inter-charity competition

Sind Menschen eher bereit, an Organisationen vor ihrer Haustür zu spenden? Genau dieser Frage sind wir in einer aktuellen Studie nachgegangen.

Zusammen mit zwei Tafeln in benachbarten deutschen Städten haben wir untersucht, ob Menschen bevorzugt lokal spenden. Teilnehmer unserer Studie hatten die Möglichkeit, eine erhaltene Aufwandsentschädigung teilweise oder vollständig zu spenden. Dabei konnten sie frei entscheiden, wie viel Geld sie spenden und wie sie es zwischen den beiden Tafeln aufteilen möchten.

Der entscheidende Unterschied: Bei einem Teil der Teilnehmer war klar angegeben, in welcher Stadt sich die jeweilige Tafel befindet – ob direkt vor Ort oder in der Nachbarstadt. Bei den übrigen Teilnehmern wurden lediglich die Namen der Betreiber ohne Ortsangabe genannt.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wenn bekannt ist, dass eine Organisation lokal ist, spenden die Teilnehmer bevorzugt an diese lokale Einrichtung.

Auf der linken Seite der Grafik sind die durchschnittlichen Beträge dargestellt, die Teilnehmer gespendet haben, wenn nicht erkennbar war, wo sich die jeweiligen Tafeln befinden. Die Beträge zwischen lokaler (Home) und benachbarter (Away) Organisation unterscheiden sich kaum – im Durchschnitt liegen sie bei etwa 2 bis 2,50 Euro. Auf der rechten Seite zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Wenn die Teilnehmer deutlich erkennen konnten, ob die Tafel in ihrem Heimatort oder in der Nachbarstadt liegt, zeigte sich eine klare Präferenz für die lokale Einrichtung, die durchschnittlich rund 4,20 Euro erhielt. Tafeln im Nachbarort erhielten dagegen kaum noch Spenden (0,50 Euro). In Summe unterscheidet sich die Spendenbereitschaft kaum – die Spenden werden aber anders verteilt.

Unsere Ergebnisse sind wichtig für gemeinnützige Organisationen. Es kann sich lohnen, Spendenaufrufe entsprechend anzupassen, sodass ein Teil der Gelder vor Ort verwendet wird. Die gute Nachricht: Sobald Anreize oder gute Gründe bestehen, gezielt an eine bestimmte Organisation zu spenden, fällt der sogenannte „Home Bias“ kaum noch ins Gewicht.

Autoren: Carlo Gallier, Timo Goeschl, Martin Kesternich, Johannes Lohse, Christiane Reif, Daniel Römer

In-Group-Bias bei Soldat*innen

Die Frage nach Gruppenzugehörigkeit und Zusammenhalt spielt im militärischen Kontext eine besondere Rolle. Diese Studie untersucht daher, ob Soldaten sich stärker als Teil des Militärs und weniger als Zivilisten sehen – und inwiefern diese Selbstwahrnehmung durch den Dienstgrad (Offizieranwärter vs. Offiziere), die Teilstreitkraft (Luftwaffe, Marine, Heer) oder die Kombination beider Faktoren geprägt wird.

Für die Untersuchung wurden deutsche Soldaten sowohl in spieltheoretischen Experimenten (modifizierte Diktatorspiele) als auch mit einem umfassenden Fragebogen analysiert. Auf dieser Grundlage lassen sich mehrere zentrale Ergebnisse festhalten:

  • Starke Abgrenzung zu Zivilisten: Soldaten zeigen eine deutliche Gruppenbindung innerhalb des Militärs und sehen sich klar weniger als Teil der Zivilgesellschaft.
  • Hohe Identifikation zwischen den Teilstreitkräften: Die gegenseitige Anerkennung zwischen Heer, Luftwaffe und Marine ist konsistent hoch – die Soldaten verstehen sich nicht nur als Angehörige ihrer eigenen Einheit, sondern auch als Mitglieder einer übergreifenden militärischen Gemeinschaft.
  • Besondere Rolle des Status: Unterschiede zeigen sich vor allem zwischen Offizieranwärtern und Offizieren. Offizieranwärter weisen eine besonders ausgeprägte Bindung an ihre eigene Teilstreitkraft auf, was auf eine stärkere Abgrenzung innerhalb der gleichen Statusgruppe hinweist.

Die Ergebnisse eröffnen spannende Einblicke in die sozialen Dynamiken innerhalb der Bundeswehr. Sie verdeutlichen, dass Gruppenzugehörigkeit nicht nur entlang von Dienstgraden oder Einheiten verstanden werden kann, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Ebenen entsteht.

Autor*innen: Janina Kraus (Leuphana Universität Lüneburg) und Fabian Paetzel (Technische Universität Clausthal)