Was denken die Menschen in Niedersachsen über Demokratie, Klimawandel und Künstliche Intelligenz?
Gesellschaftlicher Wandel ist allgegenwärtig: Künstliche Intelligenz verändert den Alltag, der Klimawandel stellt Politik und Wirtschaft vor große Fragen, und Debatten über Migration und gesellschaftlichen Zusammenhalt prägen den öffentlichen Diskurs. Doch wie nehmen die Menschen in Niedersachsen diese Veränderungen eigentlich wahr? Was bereitet ihnen Sorgen, was stimmt sie zuversichtlich? Genau das hat das Niedersachsenpanel in seiner Eingangsbefragung untersucht.
An der Befragung nahmen 4.388 Personen aus allen Regionen Niedersachsens teil. Die Ergebnisse liefern eine erste, repräsentative Momentaufnahme der Einstellungen und Präferenzen der niedersächsischen Bevölkerung zu drei zentralen Transformationsthemen: politische Einstellungen, Künstliche Intelligenz sowie Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit.
Was kam heraus?
Mit Blick auf die Demokratie zeigt sich ein überwiegend positives Bild: 69,6% der Befragten gaben an, mit der Demokratie in Deutschland zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede. Unter den 18- bis 34-Jährigen lag der Zufriedenheitsanteil mit 57,2% spürbar niedriger als bei den über 54-Jährigen (77,9%). Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede entlang der politischen Selbstverortung: Nur 33,3% der Nicht-Wählerinnen und Nicht-Wähler zeigten sich zufrieden, während (eher) rechts orientierte Befragte ebenfalls deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt lagen.
Beim Thema Klimawandel leugnen 14,8% der Befragten dessen Existenz. Diese Skepsis ist nicht gleichmäßig verteilt: Der Anteil der Frauen (18,6%), die den Klimawandel leugnen, liegt deutlich höher als der bei Männern (11,2%). Von denjenigen, die den Klimawandel anerkennen, führen ihn 82,0% überwiegend auf menschliche Aktivitäten zurück. Eine große Mehrheit (83,4%) befürwortet außerdem eine klimaneutrale Wirtschaft. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft stößt mit 95,2% Zustimmung auf breite gesellschaftliche Akzeptanz.
Auch beim Thema Künstliche Intelligenz zeigen sich interessante Muster. 43,6% der Befragten nutzen KI regelmäßig für Alltagsaufgaben, wobei der Altersunterschied auffällt: Unter den 18- bis 34-Jährigen sind es 61,2%, bei den über 54-Jährigen nur 31,5%. Gleichzeitig schreibt eine große Mehrheit (67,5%) der KI einen gesellschaftlichen Nutzen zu. Dennoch empfinden 42,6% der Befragten Künstliche Intelligenz als unheimlich, wobei Frauen (50,2%) dies deutlich häufiger angaben als Männer (35,7%).
Warum ist das wichtig?
Die Eingangsbefragung ist der Startpunkt des Niedersachsenpanels. Sie bildet die Grundlage für alle zukünftigen Studien und macht es möglich, Veränderungen über die Zeit zu beobachten. Die Ergebnisse geben wichtige Hinweise darauf, wie politische Maßnahmen wahrgenommen werden und wo gesellschaftliche Bruchlinien verlaufen.
Das vollständige Policy Paper mit den Ergebnissen der Befragung können Sie sich hier anschauen. Der vollständige Fragebogen ist hier einsehbar.
Autoren: Janina Kraus (Leuphana Universität Lüneburg), Lena Calahorrano (Fraunhofer FIT), Gerald Eisenkopf (Universität Vechta), Ulf Hahnel (Leuphana Universität Lüneburg), Robert Gillenkirch (Universität Osnabrück), Luise Görges (Leuphana Universität Lüneburg), Ann-Kathrin Kössler (Leibniz Universität Hannover), Johannes Lohse (Leuphana Universität Lüneburg), Roland Menges (TU Clausthal), Vanessa Mertins (Universität Vechta), Fabian Paetzel (TU Clausthal), Holger Rau (Georg-August Universität Göttingen), Jan Sauermann (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Anne Schacht (Georg-August Universität Göttingen), Heike Schenk-Matthes (TU Clausthal), Marina Schröder (Leibniz Universität Hannover), Sven Stöwhase (Fraunhofer FIT) und Mario Mechtel (Leuphana Universität Lüneburg)