Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studien.
Faktenchecks sollen gegen Falschinformationen helfen. Aber was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten dieselben Fakten lesen? Rückt sie das näher zusammen, oder driften die Lager eher weiter auseinander? Genau das hat Greta Kyriakidou-Schoolman (TU Clausthal) in einem Experiment mit Teilnehmenden des Niedersachsenpanels untersucht.
Wie testet man, ob Faktenchecks wirken?
Die Grundannahme: Wenn falsche Aussagen der AfD richtiggestellt werden, könnte das gerade bei Anhängerinnen und Anhängern anderer Parteien wie ein Angriff auf die eigenen Werte wirken, was Lager eher noch stärker gegeneinander aufbringt, statt sie einander anzunähern.
Für die Studie wurden Teilnehmende zunächst nach ihrer Wahlabsicht bei einer Bundestagswahl gefragt und danach in drei Gruppen eingeteilt. Zwei Gruppen bekamen drei Aussagen von Alice Weidel aus dem Sommerinterview zur Bundestagswahl 2025 gezeigt, entweder unkommentiert oder mit einem Faktencheck versehen. Eine dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe. Danach wurde erfasst, wie die Teilnehmenden zu anderen Parteien und deren Wählerschaft stehen.
Was zeigt sich?
Die Ergebnisse sind widersprüchlicher als erhofft. Faktenchecks führen dazu, dass AfD-Wählerinnen und -Wähler ihre eigene Wählergruppe negativer bewerten, obwohl sie dem Faktencheck am wenigsten vertrauen. Bei anderen Wählergruppen, insbesondere SPD-, FDP- und Linke-Wähler*innen, stärken sie aber eher die eigene politische Zugehörigkeit.
Auffällig ist auch: Die politische Spaltung in Deutschland verläuft der Studie zufolge weniger zwischen klassischen Lagern, sondern vor allem entlang der Linie AfD gegenüber allen anderen Parteien. Wähler und Wählerinnen aus der Mitte und dem linken Spektrum bewerteten AfD-Anhängerinnen und -Anhänger bereits vor dem Faktencheck am schlechtesten.
Warum das mehr als eine akademische Randnotiz ist Faktenchecks sind offenbar kein Wundermittel. Sie können zwar korrigieren, aber eben auch bestehende Gräben zwischen politischen Lagern vertiefen, statt sie zu schließen. Das ist ein wichtiger Hinweis für Medien und alle, die politische Bildung gestalten: Wie ein Faktencheck aufgebaut ist, kann darüber entscheiden, ob er verbindet oder zusätzlich spaltet.
Autorin: Greta Kyriakidou-Schoolman (Technische Universität Clausthal)