CO2-Preise und sozialer Ausgleich: Wie reagieren Menschen auf unterschiedliche klimapolitische Maßnahmen?

Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studien.

Viele Regierungen setzen bei der Klimapolitik auf einen einfachen ökonomischen Mechanismus: Der Ausstoß von CO2 soll teurer werden. Höhere CO2-Preise verteuern damit auch den Verbrauch fossiler Energieträger, beispielsweise Benzin oder Diesel. Aus ökonomischer Sicht entsteht dadurch ein Anreiz, den Verbrauch zu reduzieren oder auf andere Möglichkeiten auszuweichen. Gleichzeitig können höhere CO2-Preise Haushalte sehr unterschiedlich belasten. Wie stark ein Haushalt betroffen ist, hängt beispielsweise vom Einkommen, vom Wohnort, von den vorhandenen Verkehrsalternativen oder davon ab, wie stark er auf das Auto angewiesen ist.

Damit stellt sich für die Politik neben der klimapolitischen Lenkungswirkung auch eine Verteilungsfrage: Wie lassen sich Haushalte entlasten, ohne die mit dem CO2-Preis verbundenen Anreize vollständig aufzuheben? Eine häufig diskutierte Möglichkeit besteht darin, Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zumindest teilweise an die Bevölkerung zurückzugeben. Dies kann beispielsweise über eine pauschale Zahlung – häufig als „Klimageld“ bezeichnet – oder über andere Formen der steuerlichen Entlastung geschehen.

Wie reagieren Menschen auf solche Politikmaßnahmen?

Ein Forschungsprojekt von Nissen Gleuwitz und Prof. Dr. Mario Mechtel von der Leuphana Universität Lüneburg untersucht mit mehreren experimentellen Studien, wie Menschen solche klimapolitischen Maßnahmen wahrnehmen und darauf reagieren.

Im Mittelpunkt stehen dabei drei Fragen: Verstehen Menschen die wirtschaftlichen Anreize, die durch eine höhere CO2-Bepreisung entstehen? Verändert sich ihre Einschätzung dieser Anreize, wenn gleichzeitig eine finanzielle Entlastung vorgesehen ist? Und wie würden Haushalte zusätzliche Belastungen beziehungsweise staatliche Transferzahlungen auf unterschiedliche Bereiche ihres Haushaltsbudgets verteilen?

Die Studien kombinieren dafür unterschiedliche experimentelle Ansätze innerhalb des Niedersachsenpanels. Die Teilnehmenden treffen Entscheidungen in hypothetischen Alltagssituationen und geben an, wie sie ihre Ausgaben unter verschiedenen politischen Rahmenbedingungen anpassen würden. Teilweise werden die Szenarien dabei an die persönliche Situation der Befragten angepasst, beispielsweise anhand ihrer bisherigen Pkw-Nutzung.

Warum ist das für die Klimapolitik relevant?

Für die Wirksamkeit einer CO2-Bepreisung ist nicht nur entscheidend, wie hoch der Preis ist. Ebenso wichtig ist, wie Menschen eine solche Politik verstehen und welche Entscheidungen sie daraus ableiten. Maßnahmen zum sozialen Ausgleich können dabei helfen, Belastungen abzufedern und die gesellschaftliche Akzeptanz höherer CO2-Preise zu erhöhen. Gleichzeitig ist für die Ausgestaltung solcher Maßnahmen wichtig zu wissen, wie Haushalte auf die Kombination aus höheren Preisen und finanzieller Entlastung tatsächlich reagieren. Das Forschungsprojekt untersucht daher, wie sich klimapolitische Lenkungswirkung und sozialer Ausgleich miteinander verbinden lassen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, besser zu verstehen, wie CO2-Bepreisung und begleitende Entlastungsmaßnahmen gestaltet und kommuniziert werden können.

Da derzeit noch weitere Studien in diesem Forschungsprojekt durchgeführt werden, veröffentlichen wir an dieser Stelle noch keine Ergebnisse oder detaillierten Informationen zu einzelnen experimentellen Bedingungen. Nach Abschluss der laufenden Datenerhebung werden wir über die Ergebnisse berichten.