Das Forschungsprojekt läuft noch. Über die Ergebnisse berichten wir nach Abschluss der laufenden Studie.
Bezahlbares Wohnen, gute Infrastruktur, ein funktionierender Nahverkehr: Viele der Themen, die den Alltag am meisten prägen, werden nicht in Berlin oder Hannover entschieden, sondern direkt vor Ort. Wie blicken die Menschen in Niedersachsen auf die anstehende Kommunalwahl 2026, und trauen sie ihrer eigenen Stimme überhaupt etwas zu? Das Niedersachsenpanel ist dieser Frage in einer aktuellen Studie nachgegangen.
Worum es in der Studie geht
Ende August 2026 wurden dafür 1.074 Menschen aus ganz Niedersachsen im Rahmen des Niedersachsenpanels befragt, rund zwei Wochen vor der Kommunalwahl. Der Fragebogen deckt dabei mehrere Bereiche ab: die wichtigsten Themen und Herausforderungen vor Ort, die Zufriedenheit mit dem eigenen Wohnort und wahrgenommene Ungleichheiten in der Region sowie Wissen und Einschätzungen rund um das Kommunalwahlsystem und die kommunalen Finanzen.
Sorgen ums Geld, Vertrauen in die eigene Stimme
Wirtschaft und Arbeit, Wohnen und Stadtentwicklung, Infrastruktur und Mobilität sowie Bildung stehen für die Befragten ganz oben auf der kommunalen Agenda. Besonders drängend ist aus ihrer Sicht das Thema Wohnen: 61,5 Prozent halten bezahlbaren Wohnraum für eine eher große oder sehr große Herausforderung, in Städten noch deutlicher als auf dem Land. Insgesamt zeigen sich klare Unterschiede zwischen Stadt und Land: In Städten sind etwa 72,0 Prozent mit dem ÖPNV zufrieden, in ländlichen Wohnorten nur 27,5 Prozent. Umgekehrt schneiden Kinderbetreuung und Pflege auf dem Land in der Zufriedenheit besser ab als in der Stadt.
Sorgen bereitet den Befragten auch die finanzielle Lage der Kommunen: Zwei von drei sehen darin eine große Herausforderung, unabhängig vom Wohnort. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Menschen der Kommunalpolitik durchaus etwas zutrauen. 71,9 Prozent sind überzeugt, dass ihre Stimme bei der Kommunalwahl tatsächlich etwas bewirkt, deutlich mehr, als sie das der Landespolitik in kommunalen Fragen zutrauen. Bei Transparenz und Bürgerbeteiligung sehen die Befragten dagegen noch deutlichen Nachholbedarf: Nur etwa ein Viertel fühlt sich ausreichend darüber informiert, wofür die eigene Gemeinde ihr Geld ausgibt.
Ein weiterer Befund: Für mehr als die Hälfte der Befragten zählt bei der Kommunalwahl die Person stärker als die Partei, besonders ausgeprägt ist das auf dem Land.
Warum das für Kommunen, Parteien und Kandidierende zählt
„Viele der Themen, die die Menschen vor Ort besonders beschäftigen, werden auf kommunaler Ebene maßgeblich mitgestaltet. Kommunalpolitik ist deshalb keineswegs weniger relevant als Bundes- oder Landespolitik“, ordnet Prof. Dr. Mario Mechtel, Leiter des Niedersachsenpanels, die Ergebnisse ein. Dr. Janina Kraus, Projektkoordinatorin, ergänzt, dass die Bürgerinnen und Bürger den Kommunen grundsätzlich zutrauen, etwas zu bewegen, gleichzeitig aber klare Erwartungen an Transparenz und Beteiligung stellen.
Für Parteien und Kandidierende bedeutet das: Wer vor Ort überzeugen will, muss offenbar stärker mit der eigenen Person, konkreten Lösungen und der Kenntnis lokaler Probleme punkten als auf anderen politischen Ebenen.