Gesundheit und Bewegung am Arbeitsplatz der Zukunft

Was motiviert Arbeitskräfte zu bewegten Pausen im Arbeitsalltag?

In unserer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt wird immer deutlicher: Bewegung und Gesundheit am Arbeitsplatz sind entscheidend – für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und den Erfolg der Unternehmen. Doch was motiviert eigentlich zukünftige Arbeitskräfte, regelmäßig Pausen einzulegen, in denen sie sich bewegen? Und was hält sie möglicherweise davon ab?

Diese Studie hat genau das untersucht – und zwar anhand mit jungen und älteren Beschäftigten. Ziel war es, zu verstehen, welche Faktoren ihre Entscheidung beeinflussen, sogenannte „bewegte Pausen“ in den Arbeitsalltag zu integrieren. Dabei standen Fragen im Mittelpunkt wie: Wie sehr beeinflussen die Einstellung der Vorgesetzten, das Verhalten der Kollegen oder die Unternehmenskultur ihre Motivation? Und welche Unterschiede gibt es zwischen den Generationen?

Das Ergebnis ist aufschlussreich: Bei jungen Arbeitskräften spielt die Meinung der Vorgesetzten eine entscheidende Rolle. Wenn Chefs bewegte Pausen unterstützen, steigt die Bereitschaft, diese auch tatsächlich umzusetzen. Auch das Verhalten der Kollegen sowie flexible Arbeitszeiten tragen dazu bei, dass Bewegung Teil des Alltags wird. Die Arbeitgeberphilisophie – also die generelle Haltung des Unternehmens zur Gesundheitsförderung – scheint hingegen weniger entscheidend.

Ältere Beschäftigte zeigen generell schon von Natur aus eine stärkere Bereitschaft, sich zu bewegen, doch auch hier sind positive Einstellungen der Führungsebene und eine unterstützende Unternehmenskultur hilfreich. Überraschend ist, dass Unterschiede zwischen den Generationen sichtbar sind: Während ältere Mitarbeitende eher aus eigenem Antrieb handeln, sind die jüngeren stärker auf die sozialen und organisatorischen Rahmenbedingungen angewiesen.

Diese Erkenntnisse geben wichtige Impulse für die Gestaltung gesunder und motivierender Arbeitsplätze der Zukunft. Denn nur, wenn Unternehmen das richtige Umfeld schaffen, lassen sich Bewegung und Gesundheit dauerhaft im Arbeitsalltag etablieren.

Autor: Lukas Noeßelt (Technische Universität Clausthal)

Spenden – am liebsten lokal?

Graphical Abstract of study about spatial differentiation and inter-charity competition

Sind Menschen eher bereit, an Organisationen vor ihrer Haustür zu spenden? Genau dieser Frage sind wir in einer aktuellen Studie nachgegangen.

Zusammen mit zwei Tafeln in benachbarten deutschen Städten haben wir untersucht, ob Menschen bevorzugt lokal spenden. Teilnehmer unserer Studie hatten die Möglichkeit, eine erhaltene Aufwandsentschädigung teilweise oder vollständig zu spenden. Dabei konnten sie frei entscheiden, wie viel Geld sie spenden und wie sie es zwischen den beiden Tafeln aufteilen möchten.

Der entscheidende Unterschied: Bei einem Teil der Teilnehmer war klar angegeben, in welcher Stadt sich die jeweilige Tafel befindet – ob direkt vor Ort oder in der Nachbarstadt. Bei den übrigen Teilnehmern wurden lediglich die Namen der Betreiber ohne Ortsangabe genannt.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wenn bekannt ist, dass eine Organisation lokal ist, spenden die Teilnehmer bevorzugt an diese lokale Einrichtung.

Auf der linken Seite der Grafik sind die durchschnittlichen Beträge dargestellt, die Teilnehmer gespendet haben, wenn nicht erkennbar war, wo sich die jeweiligen Tafeln befinden. Die Beträge zwischen lokaler (Home) und benachbarter (Away) Organisation unterscheiden sich kaum – im Durchschnitt liegen sie bei etwa 2 bis 2,50 Euro. Auf der rechten Seite zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Wenn die Teilnehmer deutlich erkennen konnten, ob die Tafel in ihrem Heimatort oder in der Nachbarstadt liegt, zeigte sich eine klare Präferenz für die lokale Einrichtung, die durchschnittlich rund 4,20 Euro erhielt. Tafeln im Nachbarort erhielten dagegen kaum noch Spenden (0,50 Euro). In Summe unterscheidet sich die Spendenbereitschaft kaum – die Spenden werden aber anders verteilt.

Unsere Ergebnisse sind wichtig für gemeinnützige Organisationen. Es kann sich lohnen, Spendenaufrufe entsprechend anzupassen, sodass ein Teil der Gelder vor Ort verwendet wird. Die gute Nachricht: Sobald Anreize oder gute Gründe bestehen, gezielt an eine bestimmte Organisation zu spenden, fällt der sogenannte „Home Bias“ kaum noch ins Gewicht.

Autoren: Carlo Gallier, Timo Goeschl, Martin Kesternich, Johannes Lohse, Christiane Reif, Daniel Römer

In-Group-Bias bei Soldat*innen

Die Frage nach Gruppenzugehörigkeit und Zusammenhalt spielt im militärischen Kontext eine besondere Rolle. Diese Studie untersucht daher, ob Soldaten sich stärker als Teil des Militärs und weniger als Zivilisten sehen – und inwiefern diese Selbstwahrnehmung durch den Dienstgrad (Offizieranwärter vs. Offiziere), die Teilstreitkraft (Luftwaffe, Marine, Heer) oder die Kombination beider Faktoren geprägt wird.

Für die Untersuchung wurden deutsche Soldaten sowohl in spieltheoretischen Experimenten (modifizierte Diktatorspiele) als auch mit einem umfassenden Fragebogen analysiert. Auf dieser Grundlage lassen sich mehrere zentrale Ergebnisse festhalten:

  • Starke Abgrenzung zu Zivilisten: Soldaten zeigen eine deutliche Gruppenbindung innerhalb des Militärs und sehen sich klar weniger als Teil der Zivilgesellschaft.
  • Hohe Identifikation zwischen den Teilstreitkräften: Die gegenseitige Anerkennung zwischen Heer, Luftwaffe und Marine ist konsistent hoch – die Soldaten verstehen sich nicht nur als Angehörige ihrer eigenen Einheit, sondern auch als Mitglieder einer übergreifenden militärischen Gemeinschaft.
  • Besondere Rolle des Status: Unterschiede zeigen sich vor allem zwischen Offizieranwärtern und Offizieren. Offizieranwärter weisen eine besonders ausgeprägte Bindung an ihre eigene Teilstreitkraft auf, was auf eine stärkere Abgrenzung innerhalb der gleichen Statusgruppe hinweist.

Die Ergebnisse eröffnen spannende Einblicke in die sozialen Dynamiken innerhalb der Bundeswehr. Sie verdeutlichen, dass Gruppenzugehörigkeit nicht nur entlang von Dienstgraden oder Einheiten verstanden werden kann, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Ebenen entsteht.

Autor*innen: Janina Kraus und Fabian Paetzel